Mutter Teresa beim Katholikentag in Freiburg.
1978. Ich war gerade auf dem Weg zum Abitur und am überlegen, was danach kommen könnte, fand in Freiburg ein Katholikentag statt. Ich wusste vorher gar nicht, was das ist, und war, wie viele Freiburger, sehr gespannt.
Es wurde ein frohes lebendiges Fest.
Gottesdienste auf dem Freiburger Meßplatz, aber auch in den Pfarrgemeinden, trugen eine sehr frohe Stimmung in unsere ganze Stadt, dass wir das Lied dieses Katholikentages: „eine freudige Nachricht breitet sich aus“ überall erleben konnten
Mit der großen Schar der Ministranten aus Freiburg-Landwasser oder beim Ordnerdienst, den die Kolpingsfamilie verrichtete, war ich hautnah bei vielen Veranstaltungen.
Es gab auch eine Menge sehr spannende Diskussionen.
Bundespräsident Carl Carstens, Bundeskanzler Helmut Schmidt und viele anderen namhafte Politiker aus dem In- und Ausland, gehörten zu den Gästen in unserer Stadt, genauso wie auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Höffner und Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt.
Besonderes Interesse, gerade auch der jungen Menschen, galt dem Prior von Taizé, Pater Roger Schutz und vor allem Mutter Theresa, der Ordensfrau aus Kalkutta.
Ich habe in diesen Tagen Kirche als fröhlich, lebendig und menschennah, aber auch als weltoffen und diskussionsfreudig erlebt, was mich sehr beeindruckt und für mein weiteres Leben geprägt hat.
Ganz persönlich hatte ich ein besonderes Erlebnis, von dem ich vor allem erzählen möchte.
Von einem Bischof, der bei uns in Sankt Petrus Canisius einen Kindergottesdienst gefeiert hat, wurde ich, damals Oberministrant, gefragt, ob ich Zeit und Lust hätte, am kommenden Vormittag bei einem Gottesdienst, den er im Freiburger Gefängnis halten würde, zu ministrieren. Er bräuchte da noch jemanden. (Mit so einem Satz hat man mich damals schon immer einfangen können. 😆) Also hab ich mit gemischten Gefühlen zugesagt und war am nächsten Vormittag pünktlich an der Gefängnispforte.
Es wurden ein paar Dinge abgesprochen, und Bischof Angerhausen aus Essen und ich zogen in die Gefängniskapelle. Von den Gefangenen waren wir durch massive Gitter getrennt (in der Freiburger Justizanstalt sitzen tatsächlich nicht nur Verkehrssünder), und die Kapelle wurde, als wir drin waren, sorgfältig abgeschlossen..
Der Bischof sagte aber vor der Messe zu mir: „vielleicht gibt es noch eine Überraschung“.
Und tatsächlich, kurz nach der Predigt, wurden die Wärter etwas unruhig und schlossen die Türe auf.
Herein kam Mutter Theresa.
Sie hatte sich ausdrücklich gewünscht, diesen Gottesdienst besuchen zu können.
Auf einmal stand sie da. eigentlich noch kleiner und schmächtiger als man sie von Bildern konnte, aber zugleich eine starke Persönlichkeit.
Ich kann gar nicht beschreiben, wie das gewesen ist.
In meinem ganzen Leben bin ich keinem anderen Menschen begegnet, der alleine durch seine Anwesenheit so eine Ausstrahlung hatte.
Sanftmut, Liebe, Frieden…..es gibt nicht genug Worte für das, was von dieser Frau ausgegangen ist.
Sie wollte, dass die Gitter geöffnet werden, und ging direkt zu den Gefangenen.
Jeden Einzelnen hat sie berührt und gesegnet. Ich sah Schwerverbrecher, die in Tränen ausgebrochen sind, es war eine große andächtige Stille.
Sie hat sich viel Zeit gelassen….. für jeden Einzelnen.
Sie hat wirklich die Liebe Gottes spürbar werden lassenmund ich musste an den Satz denken, den wir im Rosenkranz beten, den die Gottesmutter den Seherkindern von Fatima aufgetragen hat: „besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“ denen hat sich Mutter Theresa zugewendet.
Bevor sie wieder rausgegangen ist, kam sie auch noch zu mir, sie hat mich einfach angeschaut, mir die Hand auf den Kopf gelegt und das Kreuz auf die Stirn gezeichnet und gesagt: „God bless you“.
Dann ist sie wieder gegangen und ja, wir haben den Gottesdienst weitergefeiert.
Diese Begegnung werde ich in meinem ganzen Leben nie vergessen.
