Wer bin ich? Oder: Wie ich wurde, was ich bin.
Ihr seid meine Freunde …
So lautet der erste Teil meines Primizspruchs, den ich mir bei meiner Priesterweihe im Mai 1986 ausgesucht hatte. Und tatsächlich ist die Freundschaft mit Jesus der rote Faden, der sich durch meine ganze Lebensgeschichte zieht.
Mit meinem Eltern und meinem Bruder Joachim bin ich in einer religiösen und kirchlich engagierten Familie aufgewachsen und habe so sehr schnell Kirche auch als meine Heimat erfahren dürfen.
Tatsächlich erinnere ich mich noch ein wenig an die Gottesdienste, die wir in meiner Kindheit miteinander besucht haben, wie wir in der Johanneskirche in Freiburg meistens unter der Kanzel saßen und ich staunend zum predigenden Pfarrer aufgesehen habe. Laut meiner Mutter, hätte ich wohl immer auch mal versucht, mit ihm zu reden.
Ich erlebte dort, wie sich viel in der Kirche verändert hat, wie plötzlich der Pfarrer nicht mehr weit vorne mit dem Rücken zu uns stand, sondern an einem ganz normalen Tisch, sich uns zu gewendet hat. Und wie das für mich damals so unverständliche Latein plötzlich verschwunden war. Es war die Zeit nach dem Konzil.
Intensiver erlebte dich die Freundschaft mit Jesus dann tatsächlich bei meiner Erstkommunion am 2. April 1967 in der Kirche Maria Hilf, wo ich dann auch Ministrant geworden bin.
Nach der vierten Klasse zogen wir nach Freiburg-Landwasser in die Pfarrei Sankt Petrus Canisius. Ein Stadtteil mit sehr vielen jungen Familien und folglich auch mit vielen Kindern in meinem Alter. Pfarrer Wolfgang Schmidt war dabei, zunächst in einer Holzbaracke, erst Jahre später in der fertigen Kirche, die Pfarrgemeinde aufzubauen. Er begeisterte mich mit seiner frohen und lebendigen Art Gottesdienste zu feiern, dass ich selbstverständlich auch hier der Ministrantengemeinschaft beigetreten bin.

Ein wichtiger Moment in meinem Leben, war die Firmvorbereitung und die Firmung durch den damaligen Weihbischof Dr. Oskar Saier im Jahr 1973. Zum ersten Mal habe ich mit Gleichaltrigen über meinen Glauben gesprochen. Dies hat uns so sehr verbunden, dass wir entschieden, uns weiter zu treffen und eine Jugendgruppe zu bilden. Da meine Eltern beide sehr stark in der Kolpingfamilie engagiert waren, war auch naheliegend, dass wir daraus eine Jungkolpinggruppe, wie das damals noch hieß, gebildet haben. So bin ich jetzt seit mehr als 50 Jahren Mitglied im Kolpingwerk. Adolph Kolping und das Wirken der Kolpingsfamilie gaben mir ganz sicher bis zum heutigen Tag die wichtigsten Impulse für mein Glaubensleben.
Das weitere Engagement der Pfarrgemeinde hat mir so viel Freude gemacht, dass ich da schon gespürt habe, dass dies vielleicht einmal ein Weg für meine Zukunft sein könnte. Ich war lange Jahre Gruppenleiter und später Oberministrant (bei damals 250 Ministranten) und nach meinem 18. Geburtstag auch Mitglied des Pfarrgemeinderates. Sehr beeindruckt hat mich 1978 der Katholikentag, in Freiburg mit vielen, sehr fröhlichen und feierlichen Gottesdiensten und mit einer persönlichen Begegnung mit Mutter Teresa, die ich nie vergessen werde.
Nach meinem Abitur 1979, begann ich, nach gründlichen Überlegungen, mein fünfjähriges Studium der katholischen Theologie im Collegium Borromeum in Freiburg. Ein Jahr verbrachte dich dabei in Rom an der päpstlichen Universität Gregoriana. Diese Zeit hat meinen Horizont, gerade auch im Blick auf Weltkirche, sehr erweitert. Auch die Mitarbeit im deutschen Pilgerbüro war für mich eine prägende Erfahrung. Ebenfalls während des Studiums absolvierte ich drei Praktika. Im Internat Sankt Bernhard in Rastatt, das unmittelbarer danach geschlossen wurde. Die übrig gebliebenen Schüler kamen dann ins Konradihaus nach Konstanz, wo ich dann auch mein Schulpraktikum machte. Aber auch das stand kurz vor der Schließung (dass ich später dann auch die Schließung des Internates in Sasbach und des Spätberufenen-Seminars erleben musste, hat sich nichts mit meiner Arbeit zu tun 😆).
Mein Gemeindepraktikum machte ich in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Tiengen am Hochrhein. Dort lernte ich unter anderem die Familie Dörflinger kennen. Thomas war später Bundesvorsitzender von Kolping, und so sind wir uns dann wieder begegnet.
Nach dem Ende des Studiums kam eine sehr intensive Zeit im Priesterseminar in Sankt Peter, an die ich sehr gerne zurückdenke. Auch hier gab es noch einmal ein Praktikum in der Schule in Kirchzarten und die ersten Gemeindepredigten in Sankt Peter und Eschbach. Am 15. Dezember 1984 wurde ich dann in Sankt Peter von Bischof Oscar Saier zum Diakon geweiht.
Meine erste Stelle war dann mein Diakoniatsjahr und auch die ersten vier Wochen als Priester in St. Venatius in Wertheim. Von meinem damaligen Chef Pfarrer Georg Röser habe ich unglaublich viel gelernt an Glauben, an priesterliche Lebensweise und Menschlichkeit. Wir hatten auch eine sehr frohe Gemeinschaft im Pfarrhaus.
In Wertheim hab ich dann zum ersten Mal erfahren, was es heißt, als Seelsorger in einer Gemeinde zu wirken. Mein Hauptarbeitsbereich war damals die Klinikseelsorge und die Jugendarbeit. Während des sehr intensiven Jahres ist es mir auch gelungen mit jungen Auszubildenden eine Jungkolpinggruppe zu gründen, die leider inzwischen nicht mehr existiert.
Am 11. Mai 1986 wurde ich dann im Freiburger Münster wieder von Erzbischof Doktor Saier zum Priester geweiht. Mein Primizspruch steht in den Abschiedsreden von Jesus bei Joh 15,14: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage: liebet miteinander!
Ich war während Exerzitien im Rahmen unserer Ausbildung im Kloster, Erlenbad auf diesen Satz gestoßen.
Meine erste heilige Messefeier feierte ich dann zwei Tage nach meiner Priesterweihe nur mit meinen Eltern und meinem Bruder Joachim am Grab des heiligen Matthias, meines Namenspatrones, der mir immer wichtiger geworden ist, in Trier.
Am 17. und 18. Mai, war dann meine feierliche Primiz in Freiburg Landwasser, die erste in diesem Stadtteil.
Danach war ich dann eben noch vier Wochen zur Urlaubsvertretung in Wertheim, bevor ich dann im September 1986
meine Kaplansstelle in Hohberg-Niederschopfheim in der Pfarrgemeinde Sankt Brigitta antreten durfte. Mein Chef war Regionaldekan und deswegen sehr viel unterwegs, so dass ich sehr schnell lernte, selbstständig zu arbeiten. Nach nur zweieinhalb Jahren verließ er Niederschopfheim und wurde Diözesanpräses bei Kolping und ich war nun als Pfarradministrator plötzlich der Chef, und konnte so zumindest ein halbes Jahr lang, das umsetzen, um was ich vorher manchmal vergeblich gekämpft hatte.
Nach dieser sehr positiven Erfahrung als Gemeindepfarrer, freute ich mich sehr, bald in eine eigene Pfarrgemeinde zu kommen. Der damalige Personalreferent Dr. Zollitsch war aber anderer Meinung und befand, dass ich besser als Schulseelsorger geeignet wäre. So kam ich dann 1989 als Schulseelsorger an die Heimschule Lender in Sasbach, wo ich im Internat wohnte, und für die Seelsorge in Schule und Internat zuständig war. Zugleich war ich Spiritual im Spätberufenen Seminar Sankt Pirmin.

Außerdem wurde ich noch Diözesankurat bei den Pfadfindern der DPSG mit Büro im Seelsorgeamt in Freiburg. In meiner Amtszeit fiel, die von Freiburg aus stark unterstützte Gründung des ersten DPSG Diözesanbverbandes in der damaligen Noch-DDR in Magdeburg. Ebenfalls ein sehr spannendes Erlebnis.
Obwohl ich lieber in eine Pfarrgemeinde gegangen wäre, fand ich mich doch nach kurzer Zeit in diesen neuen Aufgabenbereichen gut zurecht. Was ich in der Zeit alles erlebt habe, werde ich von Zeit zur Zeit auf dieser Seite im Einzelnen erzählen. Schmerzhaft war dann zu erfahren, dass das Internat geschlossen werden sollte. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht wirklich nachvollziehen kann.
In der Endphase des Internates las ich in der Zeitung, dass in Bühl, also ganz in der Nachbarschaft ein neuer Pfarrer gesucht wurde. Ich bewarb mich sofort und erhielt dann am 1. Mai 2001 von Dr. Zollitsch die Zusage, dass ich ab 1. September als Pfarrer nach Bühl darf. Einen richtigen Abschied von Sasbach und dem Internat des nicht gegeben, weil die meisten anderen schon vor mir gegangen waren.
Die Umstellung vom „Schulseelsorger Wolf-Dieter“ zum „hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer“ war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Dazu kam noch, dass ich die ersten vier Monate noch weiter in Sasbach gewohnt habe und gependelt bin, weil das Pfarrhaus in Bühl erst renoviert worden ist. Jetzt aber, weil ich das geworden, was ich eigentlich immer werden wollte, nämlich Pfarrer einer Pfarrgemeinde. Sehr bald habe ich mich, dank der Aufgeschlossenheit und Lebendigkeit der Pfarrgemeinde in Bühl zu Hause gefühlt.
Bald nach meinem Start in Bühl verstarb mein Vater Werner Geißler. Ich bin sehr froh, dass er mich noch in Bühl besuchen konnte, solange er noch die Kraft dafür hatte und beruhigt war, dass es seinem Sohn so gut ging. Meine Mutter Toni lebte noch bis ins Jahr 2016 und konnte auch noch mit mir in Bühl viele Feste und Gottesdienste mitfeiern.
19 Jahre war ich dann Pfarrer in Bühl. In der Zeit wurde die Pfarrgemeinde auch zur größeren Seelsorgeeinheit Bühl/Vimbuch erweitert. Auch die vielen Erlebnisse aus dieser, meiner längsten Lebensphase, werde ich im Laufe der Zeit auf dieser Homepage nach und nach erzählen.
2008 wurde ich zusätzlich Diözesanpräses vom Kolping Diözesanverband Freiburg und später auch Landespräses von Baden Württemberg.

Als Vorsitzender der kath. Sozialstation konnte ich die Fusion zur Sozialstationen in Mittelbaden gestalten, deren Aufsichtsratsvorsitzender ich dann auch geworden bin.
Größte Herausforderung meiner Zeit in Bühl war sicherlich die Coronazeit. Es galt kreativ zu sein, damit die Menschen sich nicht von der Kirche verlassen fühlen mussten. Schon ganz früh haben wir damit begonnen, Online-Gottesdienste im Internet zu feiern, die sehr großen Zuspruch fanden. Den Menschen persönlich begegnen, konnte ich in mehreren Open-Air Gottesdiensten auf dem Kirchplatz unter Sicherheitsvorkehrungen und in mehreren Gottesdiensten im Autokino, was eine besondere Erfahrung war.
In meine Bühler Zeit, fiel auch die Innen- und Außenrenovation der Pfarrkirche, der Bau der Ulrika-Nisch-Kapelle (und die damit verbundene Umbenennung der Straße zum Pfarrhaus hin) und die Errichtung des Bühler Kolpingweges. Neben verschiedenen Jubiläen gehörten sicher auch mehrere Aufführungen des Andrew Lloyd Webber Musicals: Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat 2007 und 2016 (und 2008 sogar einmal im Freiburger Münster) zu den Höhepunkten meiner Zeit in Bühl. Eine ganz wichtige Erfahrung war für mich die Zusammenarbeit mit einer großen Zahl von zum Teil sehr aktiven Gruppierungen in der Pfarrgemeinde.
Besonders bereichernd empfand ich die Partnerschaft mit der Gemeinde Nuestra Senora della Esperanza in Lima in Peru und das Strassenkinderprojekt Casa Paz in Medellin, Kolumbien. Bei beiden konnte ich mir auch vor Ort einen Eindruck der Situation verschaffen.
Nach meinem Abschied vom Bühl zog ich wieder nach Hause nach Freiburg Landwasser zurück und erhielt ich die Aufgabe des Klosterseelsorgers im Kloster St. Lioba in Freiburg. Eine ganz neue, spannende, sehr schöne und erfüllende Aufgabe. Zugleich bin ich auch Präses der Kolpingsfamilie Freiburg-Zentral, der ältesten im Bistum Freiburg, die nächstes Jahr 175jähriges Jubiläum feiern kann.
Diese ganze Zeit über habe ich immer wieder die Freundschaft zu Jesus spüren dürfen und in den letzten manchmal schwiergen Jahren immer mehr auch eine zweite Erfahrung: Die Freude an Gott ist unsere Kraft.
So habe ich meine Entscheidung, Priester zu werden an keinem einzigen Tag bereut und freue mich auf die Zukunft.
Vieles von dem, was ich erlebt habe, habe ich gar nicht oder nur bruchstückhaft jetzt in diesem kurzen Rückblick erwähnt.
Ein Ziel dieser Homepage ist es, einfach immer mal wieder von meinen Erlebnissen zu erzählen. Ihr dürft also gespannt sein.
Vita
| 11. März 1959 | Geboren in Freiburg im Breisgau |
| 18. März 1959 | Taufe in der Klinikkapelle St. Elisabeth, Freiburg |
| 02. April 1967 | Erstkommunion in der Pfarrei Maria Hilf, Freiburg |
| 11. Oktober 1973 | Firmung durch Herrn Weihbischof Dr. Oskar Saier in der Pfarrei St. Petrus Canisius, Freiburg-Landwasser |
| Oktober 1979 – Juli 1984 | Studium der katholischen Theologie, Freiburg (Collegium Borromaeum) |
| 1981/82 | Studium an der päpstlichen Universität Gregoriana, Rom |
| 15. Dezember 1984 | Weihe zum Diakon durch Herrn Erzbischof Dr. Oskar Saier in der Pfarr- und Seminarkirche St. Peter |
| 1985 | Diakonatsjahr in der Pfarrgemeinde St. Venantius, Wertheim |
| 11. Mai 1986 | Priesterweihe durch Herrn Erzbischof Dr. Oskar Saier im Freiburger Münster |
| September 1986 – September 1989 | Kaplan in der Pfarrei St. Brigitta, Niederschopfheim |
| Septmeber 1989 – Septmeber 1994 | Diözesankurat der DPSG Freiburg |
| Septmeber 1989 – August 2001 | Schülerseelsorger an Schule und Internat der Heimschule Lender, Sasbach Spiritual am Spätberufenenseminar St. Pirmin, Sasbach |
| 01. September 2001 | Bühl |
| 2008 | Diözesanpräses Kolping |
| Landespräses Kolping | |
| Freiburg |